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Winterreifen richtig auswählen, wechseln und pflegen

Sobald die Temperaturen dauerhaft unter sieben Grad fallen, verliert die Sommermischung spürbar an Grip. Winterreifen bleiben dagegen elastisch und greifen mit ihren Lamellen in Schnee und Matsch. Hier erfährst Du, welche Varianten es gibt, worauf Du beim Kauf achtest und wie Du Deine Reifen über die Saison bringst.

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Warum Winterreifen mehr können als Sommerreifen

Der Unterschied steckt in der Gummimischung und im Profil. Winterreifen enthalten einen höheren Anteil an Naturkautschuk und Silica, dadurch bleiben sie bei Kälte weich und können sich mit der Fahrbahn verzahnen. Sommerreifen verhärten bei Kälte und verlieren Haftung – auch auf trockener, aber kalter Straße.

Dazu kommen die Lamellen: feine Einschnitte in den Profilblöcken, die sich beim Bremsen verkanten und Schneepolster aufnehmen. Schnee haftet nämlich am besten auf Schnee. Breite Längsrillen leiten außerdem Wasser und Matsch ab und verringern das Risiko von Aquaplaning bei Schneematsch.

In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darfst Du nur mit Reifen fahren, die das Alpine-Symbol tragen – ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Die alte M+S-Kennzeichnung allein reicht bei neu produzierten Reifen nicht mehr aus.

Welche Varianten es gibt

  • Klassische Winterreifen: Ausgelegt auf Schnee, Eis und Kälte. Die richtige Wahl, wenn Du in schneereichen Regionen oder im Mittelgebirge unterwegs bist.
  • Ganzjahresreifen: Ein Kompromiss für Vielstädter mit milden Wintern und geringer Fahrleistung. Sie tragen ebenfalls das Alpine-Symbol, erreichen aber weder das Schneeniveau eines Winterreifens noch die Trockenperformance eines Sommerreifens.
  • Nordische Winterreifen: Sehr weiche Mischung für dauerhaft tiefe Temperaturen, in Mitteleuropa meist zu weich und dadurch schwammig.
  • Reifen für SUV und Transporter: Verstärkte Karkasse und höhere Tragfähigkeit, erkennbar an Kennungen wie C oder XL.

Ob Du zusätzlich Schneeketten brauchst, hängt von der Strecke ab: Auf gesperrten Bergpassagen mit Kettenpflicht ersetzen auch gute Winterreifen keine Kette.

Worauf Du beim Kauf achtest

Die Reifengröße steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I und auf der Flanke, zum Beispiel 205/55 R16 91H. Die Zahlen stehen für Breite, Querschnittsverhältnis, Felgendurchmesser, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsindex. Beim Geschwindigkeitsindex darf ein Winterreifen niedriger liegen als eingetragen – dann gehört ein entsprechender Hinweis gut sichtbar ins Sichtfeld des Fahrers.

Weitere Punkte, die sich lohnen:

  • Das EU-Reifenlabel zeigt Rollwiderstand, Nassbremsen und Rollgeräusch; das Schneeflockensymbol auf dem Label weist zusätzlich Schneegriff aus.
  • Die DOT-Nummer verrät Produktionswoche und -jahr. Reifen altern auch ungenutzt.
  • Eine leicht schmalere Reifenbreite kann im Schnee Vorteile bringen, sofern sie für Dein Fahrzeug freigegeben ist.
  • Kaufe immer vier gleiche Reifen. Mischbereifung nur an der Vorderachse ist gefährlich, weil das Heck früher ausbricht.

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Wechsel, Luftdruck und Lagerung

Als Faustregel gilt die Zeit von Oktober bis Ostern. Entscheidend ist aber die Temperatur, nicht das Datum. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe, für Winterreifen empfehlen Fachleute jedoch mindestens vier Millimeter – darunter sinkt die Schneetraktion deutlich.

Prüfe den Luftdruck alle zwei bis vier Wochen bei kaltem Reifen und orientiere Dich am Aufkleber in der Tankklappe oder am Türholm. Bei voller Beladung gilt der höhere Wert. Zu wenig Druck kostet Grip, erhöht den Verbrauch und lässt die Flanken überhitzen.

Eingelagerte Reifen gehören trocken, kühl und dunkel: Kompletträder liegend stapeln oder hängend, einzelne Reifen ohne Felge stehend und regelmäßig gedreht. Vorher gründlich reinigen, Steinchen aus dem Profil entfernen und die Position markieren, etwa VL für vorne links. So kannst Du beim nächsten Wechsel gezielt tauschen und den Verschleiß gleichmäßig verteilen. Ziehe Radschrauben nach rund 50 gefahrenen Kilometern mit dem Drehmomentschlüssel nach.

Häufige Fragen

Reichen Ganzjahresreifen im Winter aus?

Für Fahrten im Flachland mit selten geräumtem Schnee und niedriger Kilometerleistung können sie genügen, sofern sie das Alpine-Symbol tragen. Wer regelmäßig in Höhenlagen oder bei Schnee fährt, ist mit echten Winterreifen deutlich besser bedient.

Wie lange kann ich Winterreifen nutzen?

Neben der Profiltiefe zählt das Alter: Ab etwa sechs bis acht Jahren lässt die Elastizität der Mischung nach, auch wenn noch Profil vorhanden ist. Prüfe die DOT-Nummer und kontrolliere die Flanken auf Risse.

Brauche ich trotz Winterreifen Schneeketten?

Ja, wenn eine Strecke mit dem Verkehrszeichen für Schneeketten ausgeschildert ist – dort sind Ketten unabhängig von der Bereifung Pflicht. Achte darauf, dass die Kette zur Reifengröße passt und genug Freiraum im Radhaus bleibt.